
So simpel die Fahrwerke der traditionellen
DKW's sind, so gut sind sie aber auch - eine eher seltene Kombination!
Daß die Fahrwerke zu den ganz robusten ihrer Art gehören, dürfte
hinlänglich und aus jeweils eigener Erfahrung bekannt sein. Trotzdem
lohnen sich auch hier einige grundsätzliche Betrachtungen von Fehlern
wie sie nicht selten in der Praxis (eines in die Jahre gekommenen Fahrzeuges)
vorkommen.
Meistens wird man eigentlich nur dann auf das Fahrwerk
seines Wagens aufmerksam, wenn der TÜV-Prüfer etwas 'zu nörgeln' hat,
oder aber wenn man selbst Geräusche hört.
Bleiben wir bei letzterem:
Der Wagen poltert mehr oder weniger deutlich vernehmbar beim Überfahren
von Unebenheiten...
Wir gehen davon aus, daß Sie sich vergewissert
haben, daß im Kofferraum alles festgeklemmt oder -geschraubt ist - auch
der serienmäßige (Primitiv-)Wagenheber)! Zunächst gilt es nun festzustellen,
ob das Poltern von vorn oder hinten kommt. Dazu ist schon etwas Feingefühl
und ein gutes Ohr erforderlich; ggf. hilft auch ein wechselweises Überfahren
von Unebenheiten nur mit dem Vorderwagen bzw. dem Fahrzeugheck. Haben
Sie das Geräusch weiter eingeengt, prüfen Sie wieder durch einseitiges
Überfahren einer Unebenheit, von welcher Fahrzeugseite es kommt.
Nehmen
wir an, das Poltern kommt von vorn, entweder nur einseitig oder auch
beidseitig. Es tritt besonders bei langsamer Fahrt und schon kleinen
Unebenheiten auf:
Es ist sehr wahrscheinlich, daß lediglich die unteren
Kreuzgelenke an der äußeren Radaufhängung zu viel Spiel haben. Das sind
die Gelenke, in der die Drehbewegung um die Hochachse des Rades bei
Lenkungseinschlag stattfindet. Oben stützt sich die Radaufhängung an
der querliegenden Blattfeder über die Federgabel ab. Auf diesem Punkt
lastet dabei das gesamte Fahrzeuggewicht, weshalb man diesen Punkt auch
Traggelenk nennt.
Das untere (im gedachten Fall mit Spiel behaftete)
Gelenk führt lediglich das Rad in einer relativ zur Fahrzeuglängsachse
genau definierten Position, weshalb man hier vom Führungsgelenk spricht.
Die Arme, die diese Führungsaufgabe übernehmen sind beweglich am Rahmen
gelagert und bilden in der Draufsicht einen dreieckigen Verbund zwischen
dem Rad und dem Rahmen. Sie heißen deshalb Dreieckslenker und folgen
lediglich in ihrer vertikalen Bewegung dem Rad wenn es ein- und ausfedert.
Nun schließt sich der Kreis; wenn Spiel in dem Kreuzgelenk (Führungsgelenk)
ist, kann der Dreieckslenker der vertikalen Radbewegung speziell bei
kleinen (Federungs-)Bewegungen nur mit Verzögerung folgen und es kommt
zum Klappern bzw. Poltern.
Abhilfe: Nach Entfernen des betreffenden
Rades schrauben Sie die untere Fettkappe der Radaufhängung ab, reinigen
den Bereich darunter und finden dann zwei gegeneinander gekonterte Muttern
nebst Sicherungsblech. Diese beiden Muttern lösen Sie voneinander und
stellen die obere Mutter spielfrei aber lose zum Kreuzgelenk ein. Mit
der zweiten Mutter wieder kontern und das Umbiegen des Sicherungsbleches
nicht vergessen!
Kontrollieren, ob die Lenkung noch leichtgängig ist;
andernfalls die Muttern wieder etwas zurückstellen. Achtung! Beim Hämmern
am Sicherungsblech auf keinen Fall das Feingewinde beschädigen,
auf das abschließend wieder die Fettkappe geschraubt werden muß.
Tipp!
Ersetzen Sie bei der Gelegenheit gleich die serienmäßige Fettkappe aus
Leichtmetall gegen eine solche aus Stahl oder einem anderen stabilen
Material! Es kommt nämlich häufiger vor, daß die Alu-Kappe beim Aufschrauben
auf das Feingewinde verkantet und somit (unmerklich) ihr Gewinde beschädigt
wird. Beim nächsten Abschmieren kann sie dann in der Folge förmlich
'abgesprengt' werden...
Wenn Sie schon dabei sind, sollten Sie
auch gleich die im Kreuzgelenk eingepreßte Buchse, in der sich der Schwenklagerzapfen
bei Lenkeinschlag dreht, prüfen. Hierfür ist es aber u.U. erforderlich,
die Dreieckslenker vom Kreuzgelenk ganz abzunehem, damit die Führung
lastfrei wird und sich nicht verkantet. Das Kreuzgelenk sollte sich
leicht aber nahezu spielfrei auf dem Laufbolzen drehen lassen; andernfalls
die Buchse auswechseln (ein/auspressen). Auch hier sollte man gleich
zu besserem, d.h., stabilerem und verschleißfesteren Material greifen.
Besonders bei der Federgabelbuchse im oberen Schwenklager (Traggelenk)
lohnt es sich langfristig, statt des originalen Leichtmetalls auf bessere
Lagerbronze zu wechseln, weil hier (anders als unten) direkt auf diese
Buchse die Fettkappe geschraubt wird. Das entsprechende Gewinde reißt
beim Abschmieren, speziell wenn die Fettführungskanäle verstopft bzw.
verharzt sind, gern ab...
Zweiter Fall: Wir nehmen an, das
Poltern kommt von hinten und läßt sich nicht eindeutig einer
Seite zuordnen. Bocken Sie zunächst den Wagen hinten hoch
und zwar, indem Sie den Rangierwagenheber zentral unter dem
Hinterachsrohr ansetzen. Sie erreichen damit ein gleichmäßiges
Anheben des Fahrzeughecks unter Wahrung der gleichen Achsposition,
als stünde der Wagen auf seinen Rädern.
Sinn
ist, festzustellen, ob nicht nur der Auspuff, genauer gesagt,
das Verbindungsrohr zwischen Vor- und Nachschalldämpfer irgendwo
anschlägt. Lassen Sie sich nicht täuschen: Wenn der Wagen beispielsweise
nur linksseitig angehoben wird, kommt es fast zwangsläufig
zur Berührung des Rohres mit der Verschlußkapsel des linken Hinterradlagers.
Dies ist aber normal und kommt im Fahrbetrieb so nicht vor!
Ist
hinsichtlich der Auspuffaufhängung und -Position alles in Ordnung
bleibt eigentlich nur ein Schluß:
Der Gleitschuh an der rechten
Federauflage auf dem Bock des Achsrohres ist verschlissen oder
fehlt sogar ganz. Dadurch reibt dort Metall auf Metall und Stöße
von der Achse werden nicht mehr abgedämpft und führen zum Poltern.
Achtung Falle! Dazu etwas Theorie:
Die querliegende
Blattfeder ist normalerweise leicht bogenförmig vorgespannt und
muß sich beim Durchfedern etwas längen können.
Da sie konstruktionsbedingt
links festgehalten wird, bleibt für die Längung nur das rechte
Ende, eben auf dem Federgleitschuh. Der Schuh (aus dem Kunststoff
Vulkolan) ist mit seiner Auflage mittels zweier Schrauben
verbunden und nun kann es auch vorkommen, daß sich die Blattfeder
gar nicht mehr bewegen kann, weil das Vulkolanmaterial "herausgebröselt'
ist und die Befestigungsschrauben tehen geblieben sind. Die Blattfeder
ist jetzt sowohl links, aber auch rechts festgespannt und hat keine
Chance mehr durchzufedern, weil sie sich nicht mehr längen
kann. Als Folge ist der Wagen an der Hinterachse knallhart und
man meint, die Stoßdämpfer seien defekt...
Apropos Stoßdämpfer;
auch diese können Geräusche verursachen, die den oben besprochenen
ganz ähnlich sind. Die Dämpfer machen diese Geräusche aber meistens
(aber nicht immer!) auch im Stand des Wagens und lassen sich somit
verhältnismäßig schnell durch einseitiges Lösen lokalisieren!
Achten Sie beim etwaigen Dämpfer-Wechsel besonders auf die
korrekte Maximal-Länge im auseinander gezogenen Zustand. Speziell
bei neuwertigen oder nachgespannten (gesprengten) Blattfedern
kann es bei Ersatz-Ausführungen zu Problemen kommen; viele Dämpfer
(insbesondere VW-Käfer-Dämpfer!) sind zu kurz. Auch das führt
zu Geräuschen, weil nämlich das Rad beim 'freien Fall' in eine
Unebenheit den Stoßdämpfer bis zum internen Anschlag auseinanderzieht!
Abschließend noch einige Worte zu zwei
immer
wieder gestellten Fragen.
1) Wie wichtig ist die Teflonscheibe
auf dem Laufbolzen der Federgabel?
Sie hat nur Bedeutung
für die Leichtgängigkeit der Lenkbewegung der Radnaben unter Last,
und verhindert übermäßigen Verschleiß.
Denken Sie daran, hierauf
ruht anteilig das gesamte Fahrzeuggewicht!
2)
Wie beurteilt man den Zustand der sogenannten Silentblöcke (Gummi-Metallverbindungen)
an den Dreieckslenkern?
Nun, eigentlich genauso, wie der
TÜV-Prüfer.
Wenn sich das Gummi mit Öl vollgesaugt hat, oder wenn
es völlig spröde und rissig nach außen quillt, und auseinanderbröselt
ist es ein sicheres Zeichen für eine notwendige Erneuerung. Weiterhin
sollte das Innenrohr der Buchsen auch noch nahezu zentrisch liegen,
weil bei größerer Abweichung zwangsläufig auch die Spureinstellung
der Räder nicht mehr korrekt sein kann! Denken Sie daran: Es gibt
rahmenseitig je zwei Silentbuchsen und radseitig ebenfalls!
Fazit:
a) Poltern von der Vorderachse folgt meistens aus zuviel
Spiel in den Kreuzgelenken, läßt sich aber relativ problemlos
einstellen.
b) Bei zuviel Laufspiel in den Schwenklagerbuchsen
müssen diese erneuert werden und sollten gleich gegen solche
aus besserem Material gewechselt werden.
c) Poltern von der Hinterachse
liegt meistens an einem verschlissenen oder fehlenden Federgleitschuh.
Dies kann soweit führen, daß die Hinterachse
gar nicht mehr federn
kann.
d) Auch Stoßdämpfer können klappern. Beim Wechsel unbedingt
auf eine genügende Maximal-Länge achten; VW-Dämpfer sind normalerweise
zu kurz!
e) Die Silentbuchsen der Dreieckslenker sollten nicht
verölt und nicht übermäßig spröde bzw. rissig aussehen;
im Zweifelsfall lieber erneuern (lassen)!
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Sollten Sie Probleme mit Ihrem Wagen haben, helfe ich Ihnen gern weiter!
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