Fehlerhafte Motor-Geräusche

Ich bekomme aufgrund meiner Tätigkeit

sicherlichhäufiger als die meisten anderen

DKW-Liebhaber die verschiedensten Fahrzeuge,

und die wiederum in den unterschiedlichsten

Erhaltungs-Zuständen zu sehen, bzw. was hier

wichtiger ist, zu hören! Hieraus und aus den

diversen gemachten Reparatur-Erfahrungen

lassen sich einige Fehler-Bilder verallgemeinern.

Oft höre ich auch die Meinung des Besitzers, die

alten Wagen und besonders diejenigen mit

Zweitaktmotorliefen nun 'mal nicht anders... - das

sei doch alles ganz normal und bei ihrem Wagen

schon immer so gewesen!

Viele Leute wissen offensichtlich gar nicht, wie gut ihr

Auto trotz des Alters funktionieren könnte! Dabei kann

man zumindest bei den Dreizylinder-Motoren etwaige

Motor-Schäden mit einiger Erfahrung und etwas Gefühl

für die Sache, gemäß der Geräuschentwicklung in den

unterschiedlichen Fahrzuständen, schon grob

heraushören!

Folgende Geräusche und daraus ableitbare Defekte

sind typisch:

1) Dumpfes Klopfen hauptsächlich im Leerlauf.

Mögliche Gründe: Ausgelaufene(s) Pleuel-Fußlager

oder sogenanntes 'Kolbenkippen'; Ursachen:

Schlechte          

oder zu geringe Schmierung (z.B. Synthetik-Öl bei

neuwertigen Wellen!!!) führt leicht zu Schäden an den

Rollenlagern der Pleuelfüße. Diese können im

Extremfall dadurch sogar festlaufen und blockieren. Das

Kolbenkippen entsteht z.B. durch überhöhte Abnutzung

der Kolben und Zylinderbohrungen infolge hoher

Laufleistung des Motors. Durch zu großes Kolbenspiel

(welches im Neuzustand nur 7 bis 8 hundertstel

Millimeter beträgt!) kommt es während der Auf- und

Abbewegung zusätzlich zu einem Hin- und Herschlagen

des Kolbens im Zylinder. Ein falsches (nicht nur zu

großes!) Schleifen des Zylinderblocks anläßlich einer

Motorüberholung kann zu dem gleichen Problem führen!

2) Mahlende und schleifende Geräusche bei allen

Drehzahlen. Grund: Defekte Kurbelwellen-Hauptlager;

Ursachen: Verschleiß, lange Standzeiten des Motors

mit daraus resultierendem Rostansatz in den Lagern,

oder die Kurbelwellen-Lager sind durch Wasser- oder

Benzin Einbruch in das Kurbelgehäuse ausgewaschen

worden. Letzteres geschieht gar nicht 'mal so selten

durch eine schadhafte oder nicht korrekt montierte

Zylinderkopfdichtung oder aber z.B. durch eine defekte

(durchstochene oder gerissene) Benzinpumpen-

Membran!

3) Andauerndes Tickern im Leerlauf und bei steigender

Drehzahl während der Motor ohne Last läuft. Mögliche

Gründe: Zuviel Spiel in den Kolbenbolzen-Nadellagern

oder der Kolbenbolzen-Sitz in den Kolben ist zu lose;

Ursachen: Verschleiß oder schlecht eingepaßte

Nadellager. Insbesondere fehlerhaft

 

 

montierte Kolbenbolzen und Nadellager findet man heute sehr häufig bei früher schon einmal reparierten Motoren vor. In vielen Fällen liegt es dabei gar nicht an der Unwissenheit oder Unfähigkeit der Monteure, sondern schlicht daran, daß die geeigneten Kolbenbolzen-Nadellager in den 1/100mm-Abstufungen nicht mehr handelsüblich verfügbar sind!
 
4) Grelles Rasseln bis Scheppern nach dem Hochdrehen des Motors unter Last im Moment des Gangwechsels. Mögliche Gründe: Zu viel Spiel in den Kolbenbolzen Nadellagern und/oder den Ringnuten der Kolbenringe; Ursachen: Verschleiß der Kolbenringe und Ringnuten oder schlecht eingepaßte Nadellager (s. Punkt 3).
Der besondere Tipp! Achten Sie speziell bei den Motorblöcken der Baureihen F91/F93/F94 sowie AU1000(S/SP) auf die sogenannte >Passungs-Nummer<. Diese Nummer kennzeichnet alle zusammengehörigen Zylinder und Kurbelwannen; die Teile sind nicht frei untereinander austauschbar, sondern müssen unbedingt zusammen verbaut werden. Sie wurden bei der Fertigung gemeinsam (miteinander verschraubt) hinsichtlich ihrer Kurbelwellensitze bearbeitet, und bei Nichtbeachtung dieses Umstands sind Kurbelwellenschäden vorprogrammiert! Die Welle ist dann ggf. zu lose oder zu fest im Block gelagert; sie kann entweder innerhalb weniger Kilometer festlaufen, oder verursacht klopfende Geräusche ähnlich denen des oben beschriebenen Kolbenkippens, indem sie sich in den Lagersitzen bewegt!
Die Nummer finden Sie im allgemeinen an dem Kurbelgehäusedeckel an der Unterseite, außen auf einer der beiden plangefrästen Flächen als hand- eingeschlagene Zahl (z.B. 17510); suchen Sie dann die entsprechende Nummer am Zylinderblock (meist an der linken Seite beim vorderen Auspuffschlitz).
Beide Nummern müssen exakt übereinstimmen! Wenn Sie zu einem Zylinderblock keinen passenden Kurbelgehäusedeckel haben, können sie ihn getrost verschrotten - auch wenn er neu sein sollte...!!!
Bei den übrigen Dreizylinder-Motoren gibt es diese Kennzeichnung leider nicht mehr durchgängig, jedoch gilt für die Zusammengehörigkeit der Teile entsprechendes; die Auswirkungen scheinen aber etwas weniger kritisch zu sein.  
Fazit: a) Ein mechanisch einwandfreier DKW-Dreizylinder Motor läuft nicht lauter als ein vergleichbarer anderer (Viertakt-) Motor, eher im Gegenteil!
b) Motorschäden sind, auch ohne den Motor auszubauen, gar nicht 'mal so schwierig zu analysieren; nur die Folgen der Erkenntnisse sind meistens unerfreulich teuer!
c) Ein DKW-Motor ist zwar prinzipiell sehr einfach aufgebaut, aber 'der Teufel lauert im Detail',
oder (leicht abgewandelt):
Unkenntnis schützt vor Schäden nicht!

 

Sollten Sie Probleme mit Ihrem Wagen haben, helfe ich Ihnen gern weiter!